Archiv der Kategorie 'Selbstverwaltete Räume'

Zur Lage eines selbstverwalteten Frauenraums am IG Farben Campus

Das Frauencafé im 21. Stock des AfE-Turms am Campus Bockenheim gibt es seit fast 25 Jahren. Der helle Raum mit Tischen, Stühlen, Sofas und einer Küchenzeile, die für das Zubereiten von Tee oder Kaffee genutzt werden kann, wird von allen Uniangehörigen, d.h. von Studentinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und von Mitarbeiterinnen aus dem technisch-administrativen Bereich genutzt. Er lädt dazu ein sich in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre zu unterhalten, sich zu informieren, zu lesen oder sich einfach einmal auszuruhen. Hier finden seit Jahren diverse Veranstaltungen, Projekte, Lesekreise, autonome Tutorien, das Frauenfrühstück, Workshops und Vorträge mit feministischem Anspruch einen Ort. Auch für die Arbeit des Frauenrats ist das Frauencafé unerlässlich: die Frauen-Vollversammlungen und Wahlen der Vertreterinnen des Frauenrates finden hier statt sowie die wöchentlichen Plena der studentischen Vertreterinnen des Frauenrates und die monatlichen Treffen des gesamten Frauenrates (8 Vertreterinnen). Anders gesagt: Es handelt sich hierbei um eine Institution die aus dem universitären Leben an der Goethe-Universität nicht mehr wegzudenken ist.
Dass dies nun doch möglich ist zeigt sich in den Entwicklungen, die sich im Zuge des Umzugs vom Campus Bockenheim an den IG Farben Campus abzeichnen. Diesen Raum in der offiziellen Raumplanung einfach zu „vergessen“ ist schon ärgerlich genug, nun aber auch noch für einen solchen Raum streiten zu müssen ist skandalös. Das Frauencafé im Turm ist im Verlauf der Unistreiks 1988/89 besetzt worden. Es ist unmittelbares Zeichen für den Kampf um Emanzipation in einer Sphäre, die allzu lang und immer noch männlich dominiert ist. Dass nun ausgerechnet auf dem geschichtsträchtigen ehemaligen Gelände der IG Farben kein Platz mehr für einen solchen Raum gefunden werden kann, ist nicht hinnehmbar, – oder ist es ein Zeichen der antifeministischen Gesinnung, die sich hier wacker hält? Es wäre ein deutlicher Rückschritt nicht nur für eine Universität, die sich doch zumindest nach außen hin als um Gleichstellung bemüht präsentieren will, sondern auch für eine feministische Bewegung die damit noch hinter den einst erkämpften status quo zurück fallen würde.
Angesichts der katastrophalen bisherigen Raumplanung, die mit Einschränkungen in allen Bereichen verbunden ist, hat der Frauenrat bereits eine Kompromisslösung erarbeitet. Im neuen PEG-Gebäude (Kürzel für Psychologie, Erziehungswissenschaft und Gesellschaftswissenschaft) soll nun gemeinsam mit den Frauenrätinnen und -beauftragten der anderen dort ansässigen Fachbereiche ein gemeinsamer Raum bezogen werden. Damit reagieren wir nicht nur auf die Raumknappheit, sondern verstehen die Situation auch als Chance die Zusammenarbeit zu intensivieren und die Möglichkeiten für dezentralen Austausch in Sachen Frauenpolitik besser zu gewährleisten. Nicht zuletzt wird so auch die bisher desolate Lage der Frauenvertretungen der anderen Fachbereiche verbessert: ihnen ist bisher nicht einmal ein angemessener Arbeitsplatz zugestanden. Mit einem neuen Frauenraum, der von Frauenvertreterinnen aller Fachbereiche, von Studentinnen und Mitarbeiterinnen genutzt werden kann, wäre zumindest eine kontinuierliche frauenpolitische und feministische Arbeit gewährleistet. Von den DekanInnen ist uns die Unterstützung schriftlich zugesichert worden. Nun warten wir auf konkrete Vorschläge von Seiten der Universität.

Die Frauenrätinnen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften

Stellungnahme des TuCa’s zum Umzug

Mit dem Umzug auf den I.G. Far­ben-​Cam­pus im März 2013
sind viele Pro­jek­te wel­che imAfE- Turm ihren Raum ge­fun­den haben,
in ihrer Exis­tenz be­droht.
Dies be­trifft neben dem Frau­en­café und dem El­tern-​Kind Raum auch das TuCa [im Exil].

Das TuCa [im Exil] ist ein selbst­ver­wal­te­tes Café im 5. Stock,
das zu­nächst 1988 im von Stu­die­ren­den be­setz­ten Erd­ge­schoss ge­grün­det wurde.
Sein Exil fand es nach der Räu­mung 2002 im Raum der Fach­schaft 04.
Das TuCa ist ein un­kom­mer­zi­el­les Café, mit für je­de_n er­schwing­li­chen Prei­sen.
Mit sei­nen Er­lö­sen un­ter­stützt es ver­schie­de­ne po­li­ti­sche Pro­jek­te,
sowie von Re­pres­si­on be­trof­fe­ne Ein­zel­per­so­nen. Zudem soll es hier auch mög­lich sein,
vom Uni­all­tag ab­zu­schal­ten. Es ver­sucht einen Raum für Men­schen zu schaf­fen,
wel­cher nicht von Dis­kri­mi­nie­rung ge­kenn­zeich­net ist.

Auf dem I.G. Far­ben-​Cam­pus wird dem TuCa je­doch kein Platz zur Ver­fü­gung ge­stellt
um einen al­ter­na­ti­ven, un­kom­mer­zi­el­len Cafébe­trieb wei­ter auf­recht er­hal­ten zu kön­nen.
Im Kon­trast dazu ist es für pri­va­te Un­ter­neh­men (das „Sturm und Drang“ im Hör­saal­zen­trum) mög­lich,
Raum auf dem Un­ige­län­de zu nut­zen. Die­ser Raum könn­te an­sons­ten stu­den­ti­schen In­itia­ti­ven zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.
Das dies vom Prä­si­di­um nicht ge­wollt ist, zeigt sich an der kon­se­quen­ten Miss­ach­tung stu­den­ti­scher Be­dürf­nis­se
und feh­len­der Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft – sei es mit dem TuCa, den Fach­schaf­ten oder dem In­sti­tut für ver­glei­chen­de Ir­re­le­vanz.

Und so droht ein Pro­jekt, dass sich in mehr als 20 Jah­ren
durch au­to­no­me Selbst­be­stim­mung eta­bliert hat, mit dem Umzug zu Ende zu gehen.

WIR GEBEN UNS MIT DIE­SER ENT­WICK­LUNG NICHT ZU­FRIE­DEN!

Wir for­dern das Prä­si­di­um auf, Stu­die­ren­de nicht nur als Leis­tungs­emp­fän­ger_in­nen zu be­han­deln,
son­dern als Ak­teur_in­nen an der Uni ernst­zu­neh­men
und ihr po­li­ti­sches und ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment zu un­ter­stüt­zen.

Wir for­dern alle Stu­die­ren­de auf, sich gegen diese Po­li­tik zu weh­ren!
Frei­räu­me müs­sen er­kämpft wer­den!

Für ein Tuca [im Exil]² auf dem I.G. Far­ben-​Cam­pus!

Über diesen Blog

In der vorlesungsfreien Zeit im März 2013 beginnt der Umzug des Campus Bockenheim zum IG-Farben-Campus. Durch den Umzug der Fachbereiche 03 und 04 sowie teilweise 05 (Psychologie) und 11 (Humangeographie) ergeben sich schwerwiegende Probleme.

Die Studierenden werden über die Veränderungen kaum oder falsch informiert. Es ist bis jetzt noch nicht mal bekannt, bis wann der Umzug abgeschlossen sein wird. Dies führt zu einer großen Verunsicherung. Auch studentische Gruppen, wie Fachschaften, die Frauenräte oder das TuCa-Plenum erfahren kaum etwas.

Forderungen und Anfragen werden selten berücksichtigt. Mit diesem Blog wollen wir die uns bekannten Informationen für alle Betroffenen öffentlich machen und die Missstände anprangern, die sich mit dem Umzug ergeben.

Ab Sommersemester 2013 sollen die Gebäude AfE-Turm, das flat vor dem Turm und das Jügelhaus (ohne Hörsaalgebäude) sowie weitere kleine Gebäude auf dem Bockenheimer Gelände für den universitären Betrieb aufgegeben werden. Der vorgesehene Ersatz auf dem IG-Farben-Campus ist bisher das PEG-Gebäude (PEG steht für Psychologie, Erziehungswissenschaft, Gesellschaftswissenschaft). Ein Seminargebäude ist geplant. Es soll 2015 fertig gestellt werden. Damit entsteht eine ganze Reihe von Schwierigkeiten:

1. Es gibt weniger Seminarräume. Vor allem größere Räume fehlen. Dass die neuen Gebäude so gestaltet wurden, ist vollkommen unverständlich. Die Raumsituation ist bereits bisher untragbar.

2. Bis der Umzug vollständig abgeschlossen ist, wird es vermehrt notwendig sein, zwischen den Campi hin und her zu pendeln. Die Buslinien sind allerdings längst überfüllt.

3. Die angebliche Caféteria im PEG-Gebäude wird als Mensa zu nutzen sein. Sie ist bedeutend kleiner als die Caféteria im Erdgeschoss des AfE-Turm. Die Mensen auf dem IG-Farben-Campus sind jetzt schon mehr als ausgelastet. Darüber hinaus gibt es in der Nähe des neuen Campus keine Möglichkeit etwas außerhalb zu essen.

4. Als Übergangslösung ist die Errichtung einer „Containerburg“ gedacht [1]. In dieser Burg sollen 10-12 Seminarräume für 600-800 Studierende untergebracht werden. Die Container werden im Wintersemester 2013/14 kommen und sind vor allem für die zusätzlichen Studierenden der G8-Jahrgänge gedacht. Die Universitätsleitung rechnet mit zusätzlich 400 weiteren Studierenden für die Fachbereiche 03 und 04. Die bisher bestehende Belastung durch fehlende Räume wird dadurch also nicht abgebaut.

5. Die Größe der neuen Büroräume ist nicht ausreichend. Zum Teil hat in einem Büro ein*e wissenschaftliche Mitarbeiter*in 6 Quadratmeter Arbeitsfläche. Das Arbeitsrecht verlangt mindestens 8 Quadratmeter.

6. Zahlreiche selbstverwaltete Räume haben bisher keinen Platz auf dem neuen Campus. Darunter fallen der Frauenraum, der Eltern-Kind-Raum und das TuCa. Den Fachschaften wurden zwar Räume zugeteilt, allerdings sind diese meist viel kleiner als die bisherigen Räumlichkeiten.

7. Es gibt auf dem IG-Farben-Campus neue Kontrollmechanismen. Dies sind zum einen elektronische Schließsysteme, viele Türen können nur mit der Goethe-Card geöffnet werden. Es kann nachvollzogen werden, wer wann welche Tür geöffnet hat. Sollten die Wände bemalt werden, haben die Fachbereiche die Kosten zu tragen und diese sofort (!) zu entfernen. Schon jetzt gibt es vermehrt Sicherheitspersonal und Überwachungskameras auf dem IG-Farben-Campus. Diese Sicherheitspolitik führte in der Vergangenheit schon zu Absurditäten.

[1] Das Universitätspräsidium lehnt die Bezeichnung „Container“ ab. Stattdessen wird wechselweise von „Pavillons“ oder „Modulbausätzen“ geredet.