Archiv für Februar 2013

TuCa

PM zum verordneten Wegfall des TuCa auf dem IG-Farben Campus:

Das TuCa (Turmcafé) darf offiziell(!) nicht auf den IG-Farben-Campus umziehen:
Es ist entscheiden, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit:

In der vermeintlich offenen* und öffentlichen** Jour-Fixe Sitzung1 zur Klärung von Umzugsangelegenheiten, wurde von Präsidium und Dekanaten 03, 04, 05 und 11 entschieden:
Das TuCa, welches seit mehr als 20 Jahren besteht, dürfe sich offiziell nicht mehr an der Gestaltung studentischer Räume auf den IG-Farben Campus beteiligen.
Nach den Sachbeschädigungen vom 02.02.13 im Turm, wurde das TuCa, obwohl es die Vorfälle mehrfach bedauerte und sich davon distanzierte, zur Verantwortung gezwungen: Das TuCa sei für „bedrohliche“ Graffitis, Sachbeschädigungen, angebliche Überfälle auf Mitarbeiter_innen und Diebstahl im AfE-Turm verantwortlich und habe die Konsequenzen zu tragen.
Wir weisen diese Assoziation mit den genannten Vorfällen und dem TuCa konsequent zurück: Wir waren und sind nie an derartigen Vorfällen beteiligt und sind entsetzt, wie all dies uns zu Lasten gelegt wird. Das TuCa plädierte somit mehrfach dafür, über Raumnot und Raumvergabe auf dem neuen Campus zu diskutieren. Das Präsidium und die Dekanate, insbesondere der Dekan des Fachbereichs 03, Prof. Dr. Sighard Neckel, zogen es jedoch weiterhin vor, über Vorfälle zu sprechen, mit denen das TuCa in keinster Weise etwas zu tun hat. Es wurde ein narrativer Nebenschauplatz eröffnet – mit geschichtsrelativierenden Faschismus-Vergleichen – um möglichst nicht über die Umzugsprobleme, den Wegfall studentischer Strukturen, die Fehlplanung der Universität, die Missachtung studentischer Bedürfnisse zu sprechen; geschweige denn, über eine substanzielle Auseinandersetzung mit dem Umzug in die politisch und moralisch signifikante ehem. IG-Farben-Zentralverwaltung.

Es sollte vom TuCa nun ein Konzept zur Nutzung des Raumes auf dem IG-Farben-Campus erstellt werden. Ein solches Konzept erstellte das TuCa in Kürze. Doch entgegen der Ankündigungen der Vizepräsidentin, man würde das Konzept gemeinsam besprechen, wurde es mit dem Vorwurf „es sei zu offen“ abgetan und NIE besprochen. Am 19.02.13 erfuhren wir per E-Mail von der Vizepräsidentin, dass das TuCa offiziell KEINEN Platz und KEINE Möglichkeit zur Mitgestaltung eines Cafés auf dem IG-Farben-Campus erhalten soll, sondern in Zukunft nur noch die Fachschaften über ein Konzept verhandeln dürfen.

Wir sind empört und wütend über diesen Verlauf und das deutliche Zeichen gegen studentische, selbstverwaltete Initiativen! Wir ziehen auf einen Campus, an welchem es kein IVI, kein TuCa, keine Platz für kritische Wissenschaft, und ein Studierendenhaus, sowie einen neuen Eltern-Kind Raum erst in vielen Jahren geben soll.
Ein Projekt, welches sich in mehr als 20 Jahren autonomer Selbstbestimmung etabliert hat, wird nun durch die Verordnung des Präsidiums und der Dekanate der Turm-Fachbereiche versucht zu zerstören und zu beenden.

Wir lassen uns diese Vorgehensweise nicht gefallen!

Mündige Studierende, die bemüht sind, geistige Orte und physische Räume für befreites Denken zu schaffen, werden an dieser Universität wohl nicht gewünscht. Damit hat die Universität Frankfurt nicht zuletzt einen offensichtlichen Schritt in die, durch und durch nach ökonomischer Verwertbarkeit ausgerichtete, Wissensproduktion getan: Die studentischen Subjekte sollten sich in Zukunft wohl besser als Humankapital erschließen und für den (Lohn-)Arbeitsmarkt disziplinieren, anstatt zu denken: Denn dies schadet einer Karriere an der Goethe-Universität. Das zumindest haben wir aus den Verhandlungen des Umzugs-Jour-Fixe gelernt. Herzliche Dank dafür!

Letzten Endes ist das TuCa stets mehr gewesen, als „nur“ ein Ort zum Kaffeetrinken:
Das TuCa ist Aktion und diese hat ihre Grenzen nicht im verordneten Raum.
In jedem Fall, bleibt das TuCa erhalten!

Für ein TuCa [im Exil] auf dem IG-Farben Campus!

Offener Brief an das Präsidium und die Dekanate der Fachbereiche 03 und 04 der Goethe Universität Frankfurt am Main:

Ein unerträglicher Vergleich: Sachbeschädigung im im AFE-Turm 2013 und die Novemberpogrome 1938

Offener Brief an das Präsidium und die Dekanate der Fachbereiche 03 und 04
der Goethe Universität Frankfurt am Main:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vertreter_innen des TuCa (Turmcafé), des Frauenrats, der Fachschaften und des AStA besuchen seit ca. 2 Monaten das wöchentliche, offizielle Umzugs-Jour-Fixe“ *** zur Klärung der Raumvergabe im Rahmen des Umzugs an den IG-Farben-Campus.

In den letzten Verhandlungswochen des Umzugs-Jour-Fixe kam es zu Vorwürfen den anwesenden Studierenden und studentischen Vertreter_innen gegenüber, Mitarbeiter_innen und Angestellte der Universität würden bedroht oder gar angegriffen. Zudem gab es Anmerkungen zu den Sachbeschädigungen vom 02.02. 2013, sowie zu den als bedrohlich empfundenen Graffitis im, bzw. am AfE-Turm. In diesem Rahmen wurde u.a. zu Vorfällen wie der Reichspogromnacht (O-Ton: „Reichskristallnacht“) Bezug genommen.

Die konkreten Vorfälle wurden nicht benannt, aber im weitesten, sowie auch im konkreten Sinne den anwesenden studentischen Vertreter_innen und den Studierenden der Fachbereiche 03, 04 und 05 vorgeworfen und ihnen die Verantwortung dafür zugeteilt.

Am 06. Februar 2013 kam es zu folgender öffentlicher Äußerung von Frau Univ.-Prof‘in Dr. Friebertshäuser im Rahmen der Jour-Fixe-Sitzung:

Sie beanstandete von einer Fachschaftsparty unter dem Motto „Abrissparty“ erfahren zu haben, welche an diesem Abend [im Café KoZ] stattgefunden habe. Sie kritisierte, wie dieses Motto gewählt werden konnte, da bekannt sei, dass „[…] auf Worte Taten folgen […]“, wie bereits die geschichtlichen Ereignisse der „Reichskristallnacht“ [sic!] gezeigt haben. Hierbei bezog sich Frau Univ.-Prof‘in Dr. Friebertshäuser auf die Geschehnisse am Abend einer internen Feier im AfE-Turm, an dem das Gebäude und die Infrastruktur, von party-unabhängigen Personen, beschädigt wurden. (s. Stellungnahme des TuCas, die in der Jour Fixe vom 06. Februar 2013 vorgelegt wurde).
Wir sind entsetzt über diese Assoziationen mit der Reichspogromnacht, die auch noch, von der Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, mit dem politisch äußerst fragwürdigen Begriff „Reichskristallnacht“ bezeichnet wurde.
Am 13. Februar 2013 äußerte sich auch Herr Prof. Dr. Sighard Neckel zu den Vorfällen eben dieses Abends, sowie zu Graffitis im AfE-Turm.

Dabei bezog er sich unter anderem auf ein Graffiti, in welchem vom „Plattmachen des Westends“ die Rede sein soll, sowie auf nicht näher beschriebene Graffitis, welche Einzelpersonen enorm bedrohen würden. Aufrufe dieser Art, sowie Beschädigungen wie jene vom 02.02.2013 erzeugten in ihm, laut eigener Aussage, Bilder von „[…] marodierende Männerhorden[…]“ einer „[…] bestimmten historischen Zeit […]“, welche durch den Turm liefen.
Er empfahl den Studierenden und studentischen Vertreter_innen die Lektüre von Adornos Dialektik der Aufklärung, insbesondere des Abschnitts „Elemente des Antisemitismus“, sowie Adornos Ausführungen zum Autoritären Charakter. Später räumte er ein, er glaubte zwar nicht, dass die Studierendenvertreter_innen den Turm beschädigt hätten, er sähe sie aber durchaus ˗ durch ihren Umgang mit dem Umzug, sowie seine Erfahrungen mit den Reden der Turm Vollversammlung ˗ in der Verantwortung für die Vorfälle, sowie für die zukünftige Prävention.

Aus unserer Sicht zeugen die getätigten Vergleiche von einem Geschichtsrevisionismus und einer Geschichtsvergessenheit, die wir in unserer Universitätsleitung und Dekanaten nicht akzeptieren können.

Wir fordern Sie auf, wissenschaftlich und politisch Stellung zu nehmen:

Wo ist der Zusammenhang zwischen den Geschehnissen im Turm in der Nacht zum 2. Februar 2013 und den Pogromen an der jüdischen Bevölkerung 1938? Was haben Sachbeschädigungen im AfE-Turm mit den Morden, den Zerstörungen und den daran anschließender Deportation (der Reichspogromnacht) zu tun?

Inwiefern hängt Ihrer Annahme nach der Nationalsozialismus mit den, von Ihnen diffus benannten, Vorfällen zusammen? Inwiefern sind die von Ihnen genannten Vorfälle antisemitisch?

Wir fordern eine schriftliche Stellungnahme zu den getätigten Aussagen und unseren Nachfragen und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

das TuCa (Turmcafé)
Fachschaft 03
Fachschaft 04
AK kritische Psychologie
Mitglied des Fachbereichsrat 03: Jörg Meierotte
Referent für Studienbedingungen, AStA Uni-Frankfurt: Max Rudel

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Beteiligt am „Jour Fixe“ sind Frau Prof.‘in Dr. Tanja Brühl: Vizepräsidentin der Goethe-Universität, der Dekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften: Herr Prof. Dr. Sighard Neckel, die Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaften: Frau Univ.-Prof.‘in Dr. Friebertshäuser, Dr. Albrecht Fester: Bevollmächtigter für die sog. Standortneuordnung des Campus, sowie Vertreter_innen des Dekanats Psychologie und Sportwissenschaften, des Dekanats Geowissenschaften/Geographie und verschiedene weitere Interessenvertretungen von Gruppen aus dem Turm.