Archiv für Dezember 2012

Zur Lage eines selbstverwalteten Frauenraums am IG Farben Campus

Das Frauencafé im 21. Stock des AfE-Turms am Campus Bockenheim gibt es seit fast 25 Jahren. Der helle Raum mit Tischen, Stühlen, Sofas und einer Küchenzeile, die für das Zubereiten von Tee oder Kaffee genutzt werden kann, wird von allen Uniangehörigen, d.h. von Studentinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und von Mitarbeiterinnen aus dem technisch-administrativen Bereich genutzt. Er lädt dazu ein sich in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre zu unterhalten, sich zu informieren, zu lesen oder sich einfach einmal auszuruhen. Hier finden seit Jahren diverse Veranstaltungen, Projekte, Lesekreise, autonome Tutorien, das Frauenfrühstück, Workshops und Vorträge mit feministischem Anspruch einen Ort. Auch für die Arbeit des Frauenrats ist das Frauencafé unerlässlich: die Frauen-Vollversammlungen und Wahlen der Vertreterinnen des Frauenrates finden hier statt sowie die wöchentlichen Plena der studentischen Vertreterinnen des Frauenrates und die monatlichen Treffen des gesamten Frauenrates (8 Vertreterinnen). Anders gesagt: Es handelt sich hierbei um eine Institution die aus dem universitären Leben an der Goethe-Universität nicht mehr wegzudenken ist.
Dass dies nun doch möglich ist zeigt sich in den Entwicklungen, die sich im Zuge des Umzugs vom Campus Bockenheim an den IG Farben Campus abzeichnen. Diesen Raum in der offiziellen Raumplanung einfach zu „vergessen“ ist schon ärgerlich genug, nun aber auch noch für einen solchen Raum streiten zu müssen ist skandalös. Das Frauencafé im Turm ist im Verlauf der Unistreiks 1988/89 besetzt worden. Es ist unmittelbares Zeichen für den Kampf um Emanzipation in einer Sphäre, die allzu lang und immer noch männlich dominiert ist. Dass nun ausgerechnet auf dem geschichtsträchtigen ehemaligen Gelände der IG Farben kein Platz mehr für einen solchen Raum gefunden werden kann, ist nicht hinnehmbar, – oder ist es ein Zeichen der antifeministischen Gesinnung, die sich hier wacker hält? Es wäre ein deutlicher Rückschritt nicht nur für eine Universität, die sich doch zumindest nach außen hin als um Gleichstellung bemüht präsentieren will, sondern auch für eine feministische Bewegung die damit noch hinter den einst erkämpften status quo zurück fallen würde.
Angesichts der katastrophalen bisherigen Raumplanung, die mit Einschränkungen in allen Bereichen verbunden ist, hat der Frauenrat bereits eine Kompromisslösung erarbeitet. Im neuen PEG-Gebäude (Kürzel für Psychologie, Erziehungswissenschaft und Gesellschaftswissenschaft) soll nun gemeinsam mit den Frauenrätinnen und -beauftragten der anderen dort ansässigen Fachbereiche ein gemeinsamer Raum bezogen werden. Damit reagieren wir nicht nur auf die Raumknappheit, sondern verstehen die Situation auch als Chance die Zusammenarbeit zu intensivieren und die Möglichkeiten für dezentralen Austausch in Sachen Frauenpolitik besser zu gewährleisten. Nicht zuletzt wird so auch die bisher desolate Lage der Frauenvertretungen der anderen Fachbereiche verbessert: ihnen ist bisher nicht einmal ein angemessener Arbeitsplatz zugestanden. Mit einem neuen Frauenraum, der von Frauenvertreterinnen aller Fachbereiche, von Studentinnen und Mitarbeiterinnen genutzt werden kann, wäre zumindest eine kontinuierliche frauenpolitische und feministische Arbeit gewährleistet. Von den DekanInnen ist uns die Unterstützung schriftlich zugesichert worden. Nun warten wir auf konkrete Vorschläge von Seiten der Universität.

Die Frauenrätinnen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften

So wird die Seminarraum-Situation im Sommersemester 2013

Das fällt weg:

Der Turm, das FLAT und das Jügelhaus (ohne Hörsaalgebäude) werden zum Sommersemester 2013 für den universitären Seminar-Betrieb aufgegeben. Zumindest der Turm soll wohl das nächste Semester als Lagerraum genutzt werden.
Darüber hinaus fallen zwei Seminarräume der Humangeographie weg. Von der Psychologie werden zwei Räume in einem Gebäude im Kettenhof wegfallen.

Das bleibt:

Das Hörsaalgebäude am Jügelhaus und die Neue Mensa, beides benutzt von unterschiedlichen Fachbereichen. Ein Mensasaal der Neuen Mensa soll in ein Veranstaltungsraum umgebaut werden. Zudem ein Gebäude der Psychologie in der Varrentrapstraße mit vier Räumen.

Das kommt:

Im Sommersemester 2013 wird das neue PEG-Gebäude bezogen. In diesem wird es 27 Seminarräume geben.
Diese werden, Stand 10.12.2012, wie folgt mit diesen Verfügungs- und Vorbelegungsrechten versehen:

    03: 6 kleine Räume (25-35 Plätze), 2 große Räume (60 und 70 Plätze)
    04: 5 kleine Räume (30-35 Plätze), 2 mittlerer Raum (40 und 50 Plätze – davon einer mit 05 geteilt), 2 große Räume (60 und 70 Plätze)
    05: 3 kleine Räume (16-30 Plätze), 2 mittlerer Raum (50 Plätze – davon einer mit 04 geteilt), 1 großer Raum ab WiSe 2013 (70 Plätze)
    11: 3 kleine Räume (25-30 Plätze)
    „Medientechnik“-Räume mit Computerplätzen: 2 mittlere Räume (50 Plätze)

Das soll nach dem Sommersemester 2013 geschehen:

Im Wintersemester 2013/14 soll eine Containerburg kommen. Es soll sich um ein mehrstöckiges Containergebäude, das als Übergangslösung dienen soll, handeln. In diesem sollen 600-800 Studierende in 10-12 Räumen unterkommen können.
Dieses wurde jedoch nicht zu Behebung des aktuellen und durch den Umzug entstehenden Raumproblems beantragt. Stattdessen soll es zur Abfederung des noch kommenden Raum-Mehrbedarf im Zuge der weiteren Folgen der G8-Umstellung dienen: Diese wird dazu führen, dass im Wintersemester 2013/14 an die Fachbereiche 03 und 04 weitere rund 400 Studierende kommen werden.

Das Seminargebäude, das zusätzlich zum PEG-Gebäude gebaut werden soll, wird nun begonnen zu bauen. Es soll (!) im Jahr 2015 fertig gestellt werden.

Auch der Rest des Campus Bockenheim soll mit seinen restlichen Räumlichkeiten Stück für Stück aufgegeben werden.

Viele Punkte bleiben jedoch weiter unklar. So wird uns als Fachschaft trotz Nachfragen nicht dargestellt, wie viele Räume bisher den Fachbereichen zur Verfügung stehen, um eine Übersicht zu erhalten wie viele tatsächlich fehlen werden. Unsere Anfragen diesbezüglich werden ignoriert. Ebenso unklar ist, weshalb Turm und FLAT übergangsweise nicht weiter genutzt werden.

Die Überlastung der Seminare führt schon jetzt zu prekären Bedingungen, bei denen es gang und gäbe ist, dass Studierende auf den Böden sitzen, vor den Seminaren stehen, ihre Seminare in Hörsälen abhalten müssen oder aus ihren völlig Seminaren flüchten oder geschmissen werden, sofern sie es überhaupt hinein schaffen.

Wir fordern ein erhöhtes Seminarangebot bei angemessener Raumsituation um interessengeleitet studieren zu können.
Es ist nicht nachvollziehbar, weswegen vorhandene Räume bereits zu diesem Zeitpunkt aufgegeben und als Lager um funktioniert werden, wenn dies die eh schon katastrophale Situation verschlechtert.
Die Fachschaft 03 fordert daher den Erhalt des FLATs und des Afe-Turms (aufgrund des Zustands des Turms auch nur die ersten Stockwerke) um die Raumüberlastung zu entschärfen bis eine angemessene Lösung da ist!

Pressemitteilung zum „Besichtigungstermin“ auf dem IG-Farben Campus im Westend

Am heutigen Mittwoch besichtigten rund 70 Studierende vom Campus Bockenheim den IG-Farben Campus.

Anlässlich des bevorstehenden chaotischen Umzugs und der zu erwarteten Raumnot,
zog die Gruppe über die verschiedenen Stationen des Campus, um sich kritisch mit der Situation auseinanderzusetzen.
Vor den Gebäuden kam es, bei Mate und Musik, zu Diskussionen zwischen den Teilnehmenden,
in denen der Umgang mit dem Umzug durch die Universitätsleitung zum Teil heftig kritisiert wurde.
Neben dem Umzug wurde die Geschichte des IG-Gebäudes, sowie die Transformation der Hochschule zur unternehmerischen (Stiftungs-)Universität thematisiert.
Mit Unverständnis wurde auf die zahlreichen Zugangskontrollen an den Gebäuden und die Überwachungskameras reagiert.
Sandra Weidenmüller, Politikstudentin, dazu:
„Die Uni setzt offensichtlich mehr auf Schein als Sein. Während es im neuen Seminargebäude
viel zu wenig Platz für die Studierenden geben wird, brüstet sich die Uni mit der Bezeichnung ’schönster Campus Europas‘.
Hier geht es also offensichtlich nicht um die Interessen der Studierenden, sondern rein um das Marketing.“

Danach berichtete ein Student den jüngeren Semestern von seinen Erlebnissen bei der Casino-Räumung 2009.
Passend dazu hatte die Unileitung für die Besichtigung am heutigen Mittwoch nicht nur die Polizei auf den Campus gerufen,
sondern auch gleich für den halben Tag das Casino samt Mensa und Seminarräumen geschlossen.
Als Studierende versuchten das IG-Gebäude von innen zu besichtigen,
wurden sie vom externen Uni-Sicherheitsdienst zum Teil grob daran gehindert.
Dieses gewaltsame Vorgehen gegen Mitglieder der Universität offenbart ein seltsames Rechtsverständnis auf dem neuen Campus.
Gegen den Willen der Unileitung konnte dennoch der letzte Teil der Campusführung im IG-Foyer durchgesetzt werden.
Somit konnte die Geschichte des Gebäudes und fragwürdige Umgang der Universitätsleitung mit ihr zur Sprache gebracht werden. Sandra Weidenmüller weiter: „Es ist schockierend, dass die Unileitung mit Sicherheitsdienst und Polizei auf dem Campus versucht, unseren Spaziergang zu kriminalisieren. Diese konfrontative Haltung zeigt, dass offensichtlich keinerlei Interesse besteht, die auf der Vollversammlung am 21. November beschlossenen Forderungen einzugehen.“
Abschließend zogen die Studierenden unter Sprechchören wie „Müller-Esel aus der Traum, wir nehmen uns Zeit und Raum“ spontan über die Hansaallee. Damit wollten sie ihrer Forderung nach studentischen Freiräumen wie sie rund um den Campus Bockenheim existieren, Ausdruck verleihen.
Vor dem Gebäude des Existenzclusters „Normative Orders“ wurde die zunehmende Trennung von Forschung und Lehre kritisiert. Psychologiestudent Erkan Özer abschließend: „Trotz der konfrontativen Haltung werden wir uns weiter für unsere Interessen einsetzen. Auch auf dem neuen Campus werden wir uns Zeit und Raum für kritische Bildung nehmen.
Solange auf dem neuen Campus zu wenig Platz ist, fordern wir die Weiternutzung sämtlicher Gebäude auf dem Campus Bockenheim.“

Stellungnahme des TuCa’s zum Umzug

Mit dem Umzug auf den I.G. Far­ben-​Cam­pus im März 2013
sind viele Pro­jek­te wel­che imAfE- Turm ihren Raum ge­fun­den haben,
in ihrer Exis­tenz be­droht.
Dies be­trifft neben dem Frau­en­café und dem El­tern-​Kind Raum auch das TuCa [im Exil].

Das TuCa [im Exil] ist ein selbst­ver­wal­te­tes Café im 5. Stock,
das zu­nächst 1988 im von Stu­die­ren­den be­setz­ten Erd­ge­schoss ge­grün­det wurde.
Sein Exil fand es nach der Räu­mung 2002 im Raum der Fach­schaft 04.
Das TuCa ist ein un­kom­mer­zi­el­les Café, mit für je­de_n er­schwing­li­chen Prei­sen.
Mit sei­nen Er­lö­sen un­ter­stützt es ver­schie­de­ne po­li­ti­sche Pro­jek­te,
sowie von Re­pres­si­on be­trof­fe­ne Ein­zel­per­so­nen. Zudem soll es hier auch mög­lich sein,
vom Uni­all­tag ab­zu­schal­ten. Es ver­sucht einen Raum für Men­schen zu schaf­fen,
wel­cher nicht von Dis­kri­mi­nie­rung ge­kenn­zeich­net ist.

Auf dem I.G. Far­ben-​Cam­pus wird dem TuCa je­doch kein Platz zur Ver­fü­gung ge­stellt
um einen al­ter­na­ti­ven, un­kom­mer­zi­el­len Cafébe­trieb wei­ter auf­recht er­hal­ten zu kön­nen.
Im Kon­trast dazu ist es für pri­va­te Un­ter­neh­men (das „Sturm und Drang“ im Hör­saal­zen­trum) mög­lich,
Raum auf dem Un­ige­län­de zu nut­zen. Die­ser Raum könn­te an­sons­ten stu­den­ti­schen In­itia­ti­ven zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.
Das dies vom Prä­si­di­um nicht ge­wollt ist, zeigt sich an der kon­se­quen­ten Miss­ach­tung stu­den­ti­scher Be­dürf­nis­se
und feh­len­der Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft – sei es mit dem TuCa, den Fach­schaf­ten oder dem In­sti­tut für ver­glei­chen­de Ir­re­le­vanz.

Und so droht ein Pro­jekt, dass sich in mehr als 20 Jah­ren
durch au­to­no­me Selbst­be­stim­mung eta­bliert hat, mit dem Umzug zu Ende zu gehen.

WIR GEBEN UNS MIT DIE­SER ENT­WICK­LUNG NICHT ZU­FRIE­DEN!

Wir for­dern das Prä­si­di­um auf, Stu­die­ren­de nicht nur als Leis­tungs­emp­fän­ger_in­nen zu be­han­deln,
son­dern als Ak­teur_in­nen an der Uni ernst­zu­neh­men
und ihr po­li­ti­sches und ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment zu un­ter­stüt­zen.

Wir for­dern alle Stu­die­ren­de auf, sich gegen diese Po­li­tik zu weh­ren!
Frei­räu­me müs­sen er­kämpft wer­den!

Für ein Tuca [im Exil]² auf dem I.G. Far­ben-​Cam­pus!

Mit dem Protestplenum den neuen Campus besichtigen

Am Mittwoch den 19.12.2012 ab 16Uhr, Treffen an der Trinkhalle auf dem IG-Farben Campus.

Alle weiteren Informationen auf dem Blog des Protestplenums